Gemeinsam mit dem Kreisbauernverband Altenburg e.V. lud Andrea Rücker, Vorsitzende des Vereins „Hoffnung für Wildenten, Schwäne und Co e.V.“ zu einer kleinen Gesprächsrunde zum Thema Rehkitzrettung ein.
Dieses Projekt hat sie vor über vier Jahren mit initiiert. Genauer gesagt ist es „ein Pilotprojekt vom Deutschen Tierschutzbund und unserem Verein. Wir haben uns damals unheimlich gefreut, dass sich Landwirte der Region eingeklinkt haben“, ist Rücker noch heute begeistert. Als das Projekt erstmals medial bekannt gemacht wurde, fand sich ein Altenburger Geschäftsmann, „der uns mit 5.000 € projektbezogen unterstützt hat. Somit konnten wir weitere Rehkitz-Retter anschaffen“, führt Rücker fort. Über die Zusammenarbeit mit dem Kreisbauernverband konnten weitere Fördermittel akquiriert werden, sodass diese Art des Tierschutzes im Landkreis weiter im Vormarsch ist.
Zum Projekt
Der Rehkitz-Retter oder Wildschreck ist ein Gerät, das die Landwirte auf ihren Feldern positionieren, um Rehe abzuschrecken. „Die Geräte werden einen Tag oder eine Nacht vor dem Mähen aufgestellt, um die Ricke zu warnen, ihr Kitz abzuholen. Dieser Schreck blinkt, gibt Lichtsignale ab und einen hochfrequenten Ton. Die Töne und das Blinken sind unabhängig voneinander und zufällig, sodass es keine Gewohnheit für die Tiere darstellt, sondern den Fluchtgedanken weckt“, veranschaulicht Tom Bauch, geschäftsführender Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Altenburg e.V. Landwirtschaftskollege Max Schulze vom Gut Priefel ergänzt: „Wir haben zu Beginn unserer Teilnahme mal den Fehler gemacht, den Schreck zu zeitig aufgestellt zu haben, und das Wetter hat sich geändert. Somit hatten wir auf Dauerbetrieb umgestellt. Es stand 3-4 Tage, dann haben sich die Rehe dran gewöhnt. Daher wirklich einen Tag vorher aufstellen oder über Nacht. Dann klappt das sehr gut und vertreibt die Rehe auf natürliche Weise.“ Insgesamt sind unter den teilnehmenden Betrieben 130 Rehkitz-Retter vorhanden. „In der Regel heißt es ein Gerät auf drei Hektar“, so Bauch. Natürlich spielen räumliche Gegebenheiten noch hinein – sei es am Waldrand, „da muss lieber noch eins mehr hin. Und das funktioniert sehr gut“, ergänzt Schulze.
Hintergrund
Rehkitze werden etwa zwischen Anfang Mai und Ende Juni geboren. In den ersten Wochen sind Kitze für Fressfeinde nicht erkennbar, da sie noch geruchlos und durch das hohe Gras nicht erkennbar sind. Die Ricken halten sich auch nur zum Säugen bei ihnen auf, um keine Gefahr für das Kind zu verursachen. Nach dem Säugen wird das Kitz von der Mutter zu einem neuen Platz gebracht. Damit ist es für die Tier- und Menschenwelt fast unmöglich, einen Platz auszumachen, wo Kitze zu finden sind. Typische Orte für Kitze sind Grünland mit dichtem Bestand und hohe Wiesen.
Rehkitz-Retter, Drohnen und Zukunftssensorik
Neben den Rehkitz-Rettern sind auch einige Landwirte mit Drohnentechnik unterwegs. Dabei werden Wärmebildkameras genutzt, die in den frühen Morgenstunden die Kitze erkennen. Helfer am Boden finden per übermittelter Koordinaten die Kitze, heben sie mit Handschuhen in einen passenden Korb und warten bis zur Mahd ab. Im Anschluss werden die Kitze nahe der alten Plätze abgesetzt, damit die Ricke sie wieder findet. „Es ist wirklich so, dass es nicht auffällt, wenn du vorbeiläufst“, informiert Schulze, denn „sie sind so klein wie eine kleine Katze. Sie haben eine gute Tarnung. Da hat sich die Natur schon etwas dabei gedacht.“ Lucas Petzold von der Agrargenossenschaft Gößnitz e.G. macht mit seinem Unternehmen auch von Beginn an mit und sieht die Rehkitzrettung weiterhin als wichtige Aufgabe an. „Wir haben uns neue Mähwerkskombinationen gekauft und hätten gern gleich eins mit Sensorik angeschafft. Auf der Agrartechnikmesse haben wir uns darüber informiert, aber es ist noch nicht praxisreif. Preislich ging es sogar, wir hätten investiert, denn der personelle Aufwand, der durch das regelmäßige Umsetzen des Schrecks nötig ist, amortisiert sich schnell.“
Erfolge im Altenburger Land
Nach Aussagen von Max Schulze und Lucas Petzold ist die Erfolgsquote mittels Rehkitz-Retter sehr gut. Es ist nur noch äußerst selten, dass keine Rettung möglich ist. „Abgesehen davon, dass man sich das Futter versaut, ist es auch ein menschlicher Schaden. Es nimmt mich auch mit und ärgert einen,“ fügt Schulze an. Deswegen unterstützt er weiter das Projekt und hilft nicht nur seinem Betrieb, sondern gleichzeitig den Rehen im Landkreis.
Landwirtschaft und Tierschutz gehören daher im Altenburger Land zwingend zusammen. Darüber freut sich Andrea Rücker sehr. „Trotz der Arbeitslast bin ich immer wieder beglückt, dass das Bewusstsein bei den Landwirten so stark ist. Einer nach dem anderen klingt sind mit ein. Dieses positive Resümee macht mit sehr stolz.“
Oktober 2026 – Quelle: Pressemitteilung Kreisbauernverband Altenburg e.V. & Tierschutzverein




