Marktplatz Schmölln

0
177
2014 - Marktplatz Schmölln - Knopfstadt.de
2014 - Marktplatz Schmölln - Knopfstadt.de
1907 Markt Schmölln - Wochenmarkt - Knopfstadt.de
1907 Markt Schmölln – Wochenmarkt – Knopfstadt.de

Der Markt entstand im 14. Jahrhundert und ist heute eine der größten mitteldeutschen Marktanlage mit einer Länge von 193 Metern und einer größten Breite von 57 Metern. Ein eigenartiges Gepräge erhielt das Marktbild in der Nähe des Rathauses durch die Marktlauben. Das zweite Geschoß der Häuser Gößnitzer Straße 1 und Markt 41 war über das Erdgeschoß vorgebaut und mit Schutzbalken und Pfeilern unterzogen. Dort boten die Marktfrauen ihre Waren feil. Solche Lauben hatten sich hier bis etwa 1870 erhalten. Zwei Mal im Jahr war Jahrmarkt und 2 Mal in der Woche Wochenmarkt. Er wurde auch „Weibermarkt” genannt, weil die „Weiber” unter den Lauben ihre Ware anboten. Neujahr, Vieh-, Tauben-, Roß- und Getreidemärkte gab es ebenfalls.

Bis 1858 stand mitten auf dem Marktplatz das Stadtwachhaus. Es war das einzige von der großen Feuersbrunst verschont gebliebene Gebäude, das dem Markt jedoch nicht zur Zierde gereichte. Hier hielten sich die Wächter der Stadt auf und von hier zogen sie allnächtlich bewehrt mit Spieß und Horn aus. Es war zugleich auch Spritzenhaus. (Seyfarth, S. 63)

1910 Markt Schmölln - Wochenmarkt - Knopfstadt.de
1910 Markt Schmölln – Wochenmarkt – Knopfstadt.de

Am 19. Oktober 1772 brach abends zwischen 6 und 7 Uhr ein fürchterlicher Brand aus.
Es hatte lange nicht geregnet und alles war dürr. In den nur aus Holz erbauten und mit Schindeln bedecken Häusern und den Scheunen, Ställen und Schuppen voll Streu und Brennholz fanden die Flammen leichte Nahrung, und das Feuer griff schnell um sich. Den Bewohnern gelang es kurzzeitig das Feuer einzudämmen. Die große Hitzeentwicklung verhinderte es, dem Feuer beizukommen und so breitete es sich mit unglaublicher Geschwindigkeit weiter aus. Es stand die ganze obere Vorstadt in Flammen, vom oberen Tore her brannte die südliche Marktseite nach dem Rathause zu, während die nördliche von der Mittelgasse und Schloßgasse her in Brand gesteckt worden war.
Nachts um 11 Uhr fing das Rathaus an zu brennen. Von dort breitete sich das Feuer weiter in Richtung Kirche aus. Die Glut war so groß, dass sich der Knopf und die Spindel des Kirchturms entzündeten. Das alte, prächtige, massive Gotteshaus wurde bis auf die Umfassungsmauern zerstört.

1925 - Marktplatz Schmölln - Wochenmarkt - Knopfstadt.de
1925 – Marktplatz Schmölln – Wochenmarkt – Knopfstadt.de

Innerhalb von 12 Stunden wurden durch das Feuer 228 bürgerliche Wohnhäuser, 12 Kommungebäude (Rathaus, Kirche, zwei Schulen, drei Pfarrerwohnungen, drei Torhäuser, die Kirchnerwohnung und die Fronfeste), 58 Scheunen nebst Fleisch- und Brotbank, zusammen fast 300 Gebäude, ohne die beträchtlichen Seitengebäude, Ställe und Schuppen, gänzlich bis auf den Grund verbrannt. Unsagbar schwer und hart muss die Not der Einwohner gewesen sein, da im Jahr zuvor eine grässliche Wasserflut die Stadt heimgesucht und infolge der Missernte 1771/72 die Bewohner eine Hungersnot getroffen hatte.
Ganz langsam ist daher auch der Aufbau erfolgt, da die Leute fast ausschließlich auf die Hilfe der Auswärtigen angewiesen waren. So kam es, dass der Wiederaufbau sowohl der privaten wie der städtischen Gebäude geraume Zeit in Anspruch nahm. Es dauerte drei Jahrzehnte bis alle Kommungebäude wieder aufgebaut waren. (Seyfarth, S. 203ff, Bl. f. Heimatpfi. Bd. II, S. 41)

1938 - Marktplatz Schmölln - Knopfstadt.de
1938 – Marktplatz Schmölln – Knopfstadt.de

Am ehemaligen Grellerschen Hause, Markt 15, befand sich eine Inschrift, die an den großen Brand und den Wiederaufbau erinnert. Nach dem Abriß des Hauses 1998 wurde diese Inschrift an der ehemaligen Stadtmauer angebracht.
Auf der oberen Marktseite steht in der Mitte ein Haus, das sich von den Nachbarhäusern abhebt. Steinstufen führen in einen Fleischerladen hinauf In diesem Haus wurde am 31.01.1851 Prof. Dr. Oskar Weise geboren. Oskar Weise war Doktor der Philologie und als Sprachlehrer tätig. Bekannt geworden ist er jedoch als großer Forscher und Kenner der deutschen Sprache, was seine zahlreichen Veröffentlichungen beweisen. Zur Erinnerung an ihn wurde an seinem Geburtshaus durch den Geschichts- und Altertumsforschenden Verein zu Schmölln am 04. Oktober 1933 eine Gedenktafel angebracht. (BI. f. Heimatpfl. Bd. VI., S. 65)

1953 - Marktplatz Schmölln - Knopfstadt.de
1953 – Marktplatz Schmölln – Knopfstadt.de

Früher war das Braurecht und seine Ausübung von großer Bedeutung. Es bestand schon vor der Reformationszeit. Das Bier, Hauptgetränk und Nahrungsmittel, spielte auch in der Geschichte unserer Stadt eine wichtige Rolle. Der Rat hatte festzusetzen, wieviel Malz ein Bürger in seiner Eigenschaft als Hauseigentümer in einem Jahr brauen durfte. Wer dies nicht einhielt und mehr braute, mußte an die Stadt Strafe zahlen. Anfangs besaßen wahrscheinlich alle größeren Bürgerhäuser der Stadt das Braurecht. Später stand das Recht nicht mehr allen zu, es ruhte nur auf einzelnen innerhalb der Ringmauer stehenden Häusern. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts besaßen es nur etwa ein Fünftel der Häuser der Stadt. 1819 verlangten auch die Vorstädter Einfluss auf das Brauwesen. Das Braurecht brachte den Bürgern beträchtlichen Gewinn, deshalb wurde dem Ansinnen der Vorstädter erst nach hartem Kampf entsprochen.

1990 - Marktplatz Schmölln - Wochenmarkt - Knopfstadt.de
1990 – Marktplatz Schmölln – Wochenmarkt – Knopfstadt.de

Auch der Rat selbst hatte die Brauberechtigung und war derjenige, welcher als erster seinen Trank verkaufen durfte. Nach dem großen Brand von 1772 wurden die Brauhäuser, die innerhalb der Stadtmauer waren, nicht wieder aufgebaut. Dafür wurde ein zentrales Brauhaus am Brauhof errichtet und die brauberechtigten Bürger schlossen sich zu einer Genossenschaft zusammen. Aus dieser bildete sich später die Schmöllner Brauerei. Es war jedoch auf Dauer nicht möglich, dem Druck der starken Konkurrenz auswärtiger großer Brauereien stand zuhalten. Die Brauereianlagen wurden durch die Aktienbrauerei Altenburg aufgekauft. Diese stellte den Betrieb in Schmölln ein und die Stadtgemeinde kaufte die Grundstücke. Damit endete das Brauereigewerbe in Schmölln im Jahre 1916. (Seyfarth, S. 104ff)
Zum Brauhaus gehörte auch ein Eiskeller, in dem das Bier aufbewahrt wurde. Im Winter wurde dafür das Eis aus dem nahegelegenen Brauereiteich geholt. Hinter dem Brauereiteich befindet sich heute ein Parkplatz, der bis zur Wende als Festplatz für Jahrmärkte und dergleichen genutzt wurde. Der dahinter liegende ehemalige Sportplatz wird heute als Festplatz genutzt. Auf der gegenüberliegenden Seite des Parkplatzes ist die älteste Gartenanlage der Stadt Schmölln. 200.. konnte sie ihr jähriges Jubiläum feiern. Oberhalb des Brauereiteiches neben der Gartenanlage befindet sich die Feuerwache mit dem neuen Gerätehaus.

2014 - Marktplatz Schmölln - Joannes Fabian - Knopfstadt.de
2014 – Marktplatz Schmölln – Joannes Fabian – Knopfstadt.de

Nach 1990 veränderte der Markt sein Aussehen. Alte Gebäude wurden abgerissen und Neue errichtet, z. B. Konditorei Jahn, Stadtbibliothek, Rossmann, in jüngerer Zeit das neue Polizeigebäude. 2004 erfolgte eine umfangreiche Sanierung des Marktes u. a. mit der Verlegung von neuen Leitungen für Gas, Wasser und Abwasser, Elektro und Telekom. Der 1988 errichtete Brunnen wurde in dem Zusammenhang überarbeitet und neu gestaltet.
Im Oktober 1988 wurde der neue Brunnen auf dem Marktplatz in Betrieb genommen (siehe auch Marktbrunnen).

Den den Jahren 2004 und 2005 wurde das komplette Gebiet des Marktplatzes umgestaltet und erneuert.


 

Drei Mal wöchentlich kann man die Wochenmärkte besuchen, jeweils Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Am Dienstag und Donnerstag:
im Winterhalbjahr (Oktober – März) von 08:00 bis 16:00 Uhr,
im Sommerhalbjahr (April – September) von 08:00 bis 17:00 Uhr
Samstag: ganzjährig von 08:00 bis 12:00 Uhr

Zudem finden einmal jährlich der Blumen- und Pflanzenmarkt statt. Im Dezember wird für 10 Tage ein Weihnachtsmarkt ausgerichtet.


Texte & Bilder:
Zusammengetragen vom Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln e.V.
Johannes Fabian, Schmölln,
Stefan Leonhardt, Schmölln, Knopfstadt.de

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Creative Commons Lizenzvertrag

Teilen:

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here